Die richtige Versicherung

Welche Versicherungen braucht man, wenn man ein Wohnmobil in Australien oder Neuseeland mieten will? Reicht die Standardversicherung der Wohnmobilvermietung? Braucht man die deutlich teurere All-Inclusive-Version? Was bringt eine Selbstbehalt-Ausschluss-Versicherung? Und sind die Klassiker, Reiserücktritts- und Auslandskrankenversicherung immer notwendig? An dieser Stelle wollen wir einen Überblick über die teilweise komplizierte Thematik der Versicherungen geben.
Bitte beachtet, dass der nachfolgende Text eine allgemeie Hilfestellung bei der Wahl der richtigen Versicherung darstellen soll. Es ersetzt nicht die individuellen Mietbedingungen der Anbieter.

Versicherungsoptionen für Reisen nach Australien und Neuseeland

Wenn man ein Wohnmobil oder einen Camper mieten möchte, muss man sich vor Vertragsabschluss für eine Versicherungsvariante entscheiden. Zur Wahl stehen die Standard- und die All-inclusive-Versicherung. Ein Blick auf den Preis lässt einen schnell Richtung Standard-Versicherung tendieren. Doch das ist wirklich fast immer sehr riskant – riskanter jedenfalls, als die Kunden glauben. Denn in der Standard-Versicherung ist außer Schäden an der Karosserie meist kaum etwas versichert. Dazu können die Kunden für Dinge haftbar gemacht werden, von denen sie im Leben noch nichts gehört haben. Das Schönste zuerst:

Demurrage Costs

Den Begriff kennt kaum jemand, der nicht selbst in der Branche arbeitet. Doch was verbirgt sich dahinter? Wenn ein Schaden am Fahrzeug entsteht, so muss er irgendwann repariert werden. Bei Schäden, die das Fahrzeug nicht völlig unfahrbar machen, kann das nach Ablauf der eigenen Mietzeit geschehen. Für die Wohnmobilvermietung sind das aber in jedem Fall Tage, in denen das Wohnmobil nicht vermietet werden kann. Bei schlimmeren Schäden kann es sein, dass ein Ersatzfahrzeug benötigt wird, dass dann ebenfalls keine Miete einfährt. Die durch die Ausfälle entstandene Lücke in den Einnahmen sind die Demurrage Costs.

Ist ein Kunde nur durch die Standard-Versicherung geschützt, muss er diese Lücke schließen. Das bedeutet, dass er für die Tage, die das Wohnmobil in der Werkstatt steht, weiterhin Miete zahlt, selbst wenn der Urlaub längst vorbei ist. Demurrage Costs sind nicht gedeckelt. Wenn es schwierig ist, einen Schaden zu reparieren, wenn Ersatzteile fehlen und erst nach Wochen geliefert werden, dann kann es sich um Summen handeln, die die eigentliche Miete des Wohnmobils übersteigen. Wir sprechen also von Beträgen, die den Kunden in wirkliche Schwierigkeiten bringen können. Allein aus diesem Grund raten wir bei einer Reise mit dem Wohnmobil in Neuseeland oder Australien immer zur All-Inclusive-Versicherung, die diese Kosten abdeckt.

Kreditkartengebühren

Bei den meisten Wohnmobilvermietungen fallen zusätzlich zu den von der Bank erhobenen Gebühren zur Nutzung der Kreditkarte im Ausland auch Kreditkartengebühren der Wohnmobilfirmen selbst an. Diese betragen abhängig von Anbieter und Kreditkarte 2%-4,5% der Summe, die von der Wohnmobilvermietung eingezogen wird. Selbstverständlich gilt dies für jede Transaktion mit der Kreditkarte. Gleichzeitig wird die Kreditkarte oft als einziges Zahlungsmittel akzeptiert.

Wenn man ein Wohnmobil mit der Standard-Versicherung bucht, muss eine Kaution in Höhe der Selbstbeteiligung hinterlegt werden. Diese beträgt oft mehrere tausend Dollar. Die fällige Kaution wird bei Abholung des Wohnmobils sofort von der Kreditkarte abgebucht. Entsteht nun ein Schaden, behält die Wohnmobilvermietung die Kaution ein. Ist der Mietzeitraum des Kunden nicht gleichzeitig abgelaufen und er wird das Wohnmobil noch weiter fahren oder benötigt gar ein Ersatzfahrzeug, so wird die Wohnmobilvermietung erneut eine Kaution von der Kreditkarte einziehen.

Auf diese Weise können schnell einige hundert Dollar allein durch die Transaktionen zusammenkommen, die mit der All-Inclusive-Versicherung vermieden werden können. Denn hier gibt es oft keinen oder nur einen geringen Selbstbehalt. Die für die entsprechende Transaktion anfallende Gebühr ist also minimal.

Unterboden, Dach, Windschutzscheibe und Reifen

Schäden an diesen bei Unfällen und etwas rauerem Gelände anfälligen Stellen kommen häufig vor und werden von der Standard-Versicherung nicht abgedeckt. Eine Windschutzscheibe kostet schnell 600 Dollar, ein Reifen mindestens 100 und so fort. Daher lohnt sich auch hier die All-Inclusive-Versicherung schnell. Denn kaputte Reifen und ein Stein in der Scheibe sind bei den oft nicht asphaltierten Straßen keine Seltenheit bei Reisen nach Australien oder Neuseeland.

Weitere Vorteile der All-Inclusive-Miete

Wer sich für die All-Inclusive-Versicherung entscheidet, bekommt deutlich mehr, als nur eine bessere Versicherung für die Reise nach Australien oder Neuseeland. Es entfallen Kosten wie die One Way Fee, die sonst erhoben wird, wenn das Wohnmobil in einem Depot abgegeben wird, das nicht dem Abholort entspricht. Einen zusätzlichen Fahrer einzutragen, lassen sich viele Firmen außerhalb des All-Inclusive-Pakets ebenfalls bezahlen, genauso wie die Dieselsteuer bei Dieselfahrzeugen, GPS, Camping Tisch und Stühle, BBQ und Solar Dusche. Wer nicht für jeden zusätzlichen Service zahlen möchte, sollte sich für die All-Inclusive-Miete entscheiden, die hier abhängig vom Anbieter deutlich mehr Ausstattung und Zusatzleistung bietet.

Außerdem wird in der Standartvariante zusätzlich bei jeder Bearbeitung des Kunden eine Bearbeitungsgebühr ($60-$80 je nach Firma) erhoben.

All-Inclusive-Vorteile:

  • Keine Demurrage Costs
  • Keine oder wenig Kaution, daher wenig Kreditkartengebühren
  • Schäden an Reifen, Scheiben, Unterboden und Dach sind (meist) versichert
  • Viele weitere Leistungen müssen nicht zusätzlich bezahlt werden

Selbstbehaltsausschlussversicherung (SBAV)

Die Selbstbehaltsausschlussversicherungen sind Dienstleistungen von Drittanbietern, die eine Alternative zu der teuren All-Inclusive-Miete darstellen sollen. Warum das inzwischen nicht mehr sinnvoll ist, soll hier erklärt werden.

Eine SBAV wird zusätzlich zur Standardversicherung der Wohnmobilvermietung von reinen Versicherumgsanbietern oder zu einigen Kreditkarten angeboten. Wenn ein Kunde einen Schaden verursacht, der von der Standardversicherung abgedeckt wird, greift die SBAV und die Kosten des Selbstbehaltes. Bei Schäden, die nicht von der Standardversicherung abgedeckt werden, gibt es keinen Selbstbehalt. Der Schaden muss komplett vom Kunden bezahlt werden und die SBAV läuft ins Leere.

Da die Wohnmobilvermietungen an der All-Inclusive-Miete deutlich mehr verdienen, haben sie ein hohes Interesse daran, diese nicht durch die Möglichkeit einer SBAV irrelevant werden zu lassen. Daher wurden die Bedingungen der Standardmiete immer weiter angepasst. Früher unterschieden sich die zwei Versicherungsvarianten hauptsächlich dadurch, dass die Standardversicherung einen Selbstbehalt vorsah, während dieser in der All-Inclusive-Versicherung wegfiel. Mit einer SBAV hatte man also eine günstige Lösung, bei gleicher Leistung die All-Inclusive-Miete zu umgehen. Um dem entgegen zu wirken, wurden immer mehr Leistungen aus der Standardmiete entfernt, sodass es inzwischen kaum mehr einen Schaden gibt, der hier abgesichert wäre. Folglich gibt es auch kaum mehr Selbstbehalte, die von einer SBAV abgedeckt werden

Am Ende bezahlt man einen Tagessatz für die SBAV, hat minimalen Versicherungsschutz (im besten Fall Karosserie des eigenen Fahrzeugs abzüglich Bearbeitungsgebühren und demurrage costs) aber wiegt sich in Sicherheit… Daher empfehlen wir ausdrücklich die All-Inclusive-Versicherung, die für uns die einzige Option darstellt, sorgenfrei zu reisen!

Auslandskrankenversicherung für Reisen nach Neuseeland

In Neuseeland ist jeder, egal ob Einheimischer oder Tourist, über ACC (Accident Compensation Corporation) versichert, sofern es sich um einen Unfall handelt. Ob es ein Arbeitsunfall, ein Verkehrsunfall oder eine Sportverletzung ist, spielt keine Rolle. Die Kosten der Behandlung in staatlichen Einrichtungen wird von ACC übernommen. Nicht übernommen werden allerdings die Folgekosten wie Reiseausfall, Flug ins Heimatland oder der Flug eines Angehörigen nach Neuseeland.

Da ACC allerdings alle Kosten vor Ort übernimmt, ist eine Klage bzgl. etwaiger finanzieller Kompensationszahlungen gegen den Unfallverursacher juristisch ausgeschlossen.

Bei Erkrankung zahlt ACC nicht. Ob man eine zusätzliche Auslanskrankenversicherung abschließen möchte, sollte man daher genau abwägen. Sollte man zum Beispiel im Reiseland ernsthaft krank werden (z.B Hirnhautentzündung, Blinddarmentzündung), so kann eine solche Versicherung nützlich sein. Allerdings haben die meisten Auslandskrankenversicherungen einen Selbstbehalt, der pro Behandlung aus eigener Tasche zu zahlen ist.

Liegt dieser z.B. bei 50 €, so kann es sein, dass man wegen einer Erkrankung 10 mal zum Arzt gehen muss. Jede einzelne Behandlung kostet vielleicht nur 40 €. Insgesamt hat man 400 € bezahlt. Man bekommt aber nichts erstattet, weil die 50 € Selbstbehalt bei den einzelnen Behandlungen nie überschritten wurden und hat zusätzlich die Kosten für die Versicherung gezahlt. Allerdings gibt es auch Angebote ohne diesen Selbstbehalt. Ist man auf Versorgung im Krankenhaus angewiesen oder muss gar operiert werden, sieht man ohne Versicherung enormen Kosten entgegen. Die Entscheidung können wir in diesem Fall keinem abnehmen.

Auslandskrankenversicherung für Reisen nach Australien

In Australien gibt es keine mit Neuseelands ACC vergleichbare Leistung bei Unfällen. Der Schutz, den der Staat bei Verletzungen bietet, ist deutlich eingeschränkter. Zusätzlich variieren die Leistungen von Bundesstaat zu Bundesstaat. Daher sollte man als Tourist nicht auf staatliche Hilfe zählen und dies in die Überlegungen zur Auslandskrankenversicherug mit einbeziehen. 

Reiserücktrittsversicherung für Reisen nach Australien und Neuseeland

Bei einer Reise, die vergleichsweise hohe Kosten verursacht, ist eine Reiserücktrittsversicherung immer eine Überlegung wert. Reisen nach Australien und Neuseeland sind nie wirklich günstig, da allein der Flug schon richtig ins Geld geht. Wir halten eine Versicherung für sinnvoll, besonders für Familien. Man sollte sich allerdings immer genau informieren, wann die Versicherung zahlt. Denn auch hier werden die Kosten nur übernommen, wenn triftige Gründe vorliegen.